Irgendwas is ja immer ... und angeblich war Sommer. Ernsthaft?

Heute ist der Tag. Der, den ich seit Wochen hinauszögere und fast gekonnt ignoriere. Selbst ein Besuch am Strand, eigentlich immer der beste Ort um den Kopf frei zu kriegen, hat nichts gebracht. Heute trage ich sie zum letzten Mal.

 

Die treuen Weggefährten des Sommers ... Heute, einmal noch, gehen wir gemeinsam, begleiten Lotta auf ihrer KontrollRunde durch die Wyker Grünstreifen. Statt des Balls der nicht mehr en vogue ist, kicken wir ihr zur Freude links und rechts der Wege Laub, dass sie erjagt. Erlegt oder einfach nur vehement verbellt ...

 

Zuhause werde ich die Schätzchen trocknen lassen und sie, entgegen meiner üblichen Verfahrensweise, nicht einfach in den Keller verbannen sondern ihnen einen Schuhkarton gönnen. Mit Seidenpapier. Den haben sie sich redlich verdient, haben mir gute Dienste geleistet. Es ist an mir, was zurückzugeben. Wenn mir die Schritte schwer fielen, waren sie leicht, ihre dünne Sohle gab mir das Gefühl, beinahe barfuß unterwegs zu sein. Ohne das schmerzhaft unerwünschte AufSteineTreten. War ich verkopft oder genervt, und alles andre als leichtfüßig unterwegs, waren sie lässig. Sie haben sich allem angepasst, Wind und Wetter, StrandSand, fester Wattboden und HansegrandWege, alle waren genehm.

 

Ehrlich gesagt waren sie mein Sommer.

Keine Ahnung, was es mit ihm auf sich hatte, irgendwie ist er an mir vorbeigezogen. Wobei, an mir vorbei gerauscht trifft es wohl besser. Muss grad im Keller beim Wäscheaufhängen gewesen sein, als er präsent war. Für mich war er kurz und heftig. Es muss so Juni/Juli gewesen sein. Von Jetzt auf Gleich habe ich freudig und (fast) erwartungsfrei Mopsbetten geklöppelt. Zu der Zeit, davor, zwischendrin und danach Familie & gute Freunde von nah& fern beherbergt. Irgendwie, egal mit welchen Vorlauf, zu kurzfristig angesagt, zu plötzlich vorbei und zu kurz für Intensität. Kaum mehr als ein Streicheln über die Wange, flüchtiger Blick im Vorübergehen ...

 

Der göttliche Gatte hatte den heftigsten Arbeitsaugust ever. Wir kennen einander lange und gut genug, als dass wir uns noch wiedererkennen, wenn wir uns zwischendrin mal aus Versehen über den Weg laufen. Wir updaten kurz das Nötigste und alles ist gut.

Mir war der worst case August ever vergönnt. Die Lesung vom Autorentag musste ich absagen, weil Lotta eine ganz miese KrankheitsSerie am Start hatte, wie es sich gehört, im 3erPack. MagenStress, PfotenDilemma und ... ähem, MädchenKram. Statt zu lesen und ggf. für brillante MopsBücher zu werben, blieb ich hier, um dem örtlichen Tierarzt die kargen Tantiemen leichten Herzens in die heilende Hand zu drücken.

 

September. Wann war der denn? Als die Wespen mein Arbeitszimmer unbetretbar, unnutzbar machten, weil sie direkt am Fenster unterm Dach ein Nest gebaut hatten? Kann auch während irgendeiner Radtour gewesen sein. Stimmt, die waren auch noch und mein Rad ... ein MächenTraum. Lotte liebt es, vor allem seit es vorne ein breiter Gepäckträger ziert, auf dem ihr Korb steht, in dem sie thront wie ... na wie Mops eben thront. Meine SeptemberTage und Nächte fanden zwischen Worten, Sätzen und Zeilen statt.

Einmal jedoch war ich spontan, ging tanzen, das erste Mal seit einer Ewigkeit. Wilde Choreographie zu lauter Musik, herrlich, ganz wie ich es mag. Auch da haben meine SommerLieblinge mir bestens gedient. Gott, was waren wir beweglich, geschmeidig geradezu, federleichte Elfen. Okay, betagte Elfen mit ergrautem Haar. Gemeinsam sind wir über die Tanzfläche gewirbelt, als seien wir Minimum 30 Jahre jünger ... mit dem IstMirRotzPupEgalWieEsAussiehtMut von heute. Hauptsache laut, hauptsache Rhythmus!

 

Eigentlich das perfekte Thema für einen unterhaltsamen, längst überfälligen BlogEintrag.

Das legendäre EP, Abkürzung von ErdbeerParadies, DIE Föhrer Tanzkneipe seit ca. 100 Jahren, die einem durchschwitzte, durchtanzte Nächte schenkt. Und wie easy gechillt jederman dort seinen Style lebt. Sei es was die Klamottenfrage angeht, oder die Tanzschritte. Klar kann man im EP zu Locomotive Breath, Radar Love aber auch Heavy Cross im DiscoFoxtrott mit TrekkingSandalen und in Shorts seine Liebste (herrlich aufgebrezelt im rückenfreien Top und engem Rock mit 10cm Stöckelschuhen) über die Tanzfläche schwingen. Alternativ auch im FeuerwehrOutfit, weil grad Jahresversammlung war, und man zum Absacker noch ins EP geht. Väter treffen auf ihre Kinder, und nicht wenige trafen dort einst die künftigen Mütter ... War nicht bei mir allein so. Meine Tochter war mit mir im EP bevor sie auf der Welt war. Man erlebt, wie aus Freunden Paare werden, manche Beziehung währt lebenslang, andere nur eine Saison. Dort trifft sich alles, vom in die Jahre gekommenen PunkRockGothikFreund HeavyMetallTattooFreak über ExHippieGören bis zu jenen, die Helene Fischer live sehen & lieben. So kam ich tatsächlich in den Genuss, ihr Atemlos in voller Gänze auf die Ohren gedroschen zu kriegen, nicht nur die übliche Frequenz ... 2 Titel zuvor lief noch Man in the Mirror, glaub ich. Oder doch SouperTrouper?

Ich liebe das EP, seit ich mit 13 das erste Mal hineingeschmuggelt habe. Damals gab es noch ein Zimmer an der Seite, mit Flippern und 2 BillardTischen. Keine Ahnung wieso ich Billard spielen konnte, und nicht mal ganz schlecht, eigentlich sind Mathe & Berechnung irgendwelcher Wahrscheinlichkeiten nicht mein Freund. Vielleicht war es 'ne Art ImagePflege. Jeder war in dem Alter auf seine Weise cool ... oder wollte zumindest so wirken.
Jeder kommt rein, jeder ist willkommen. Seit Generationen, von KurklinikBesuchern die Ausgang haben über Einheimische, Urlauber oder wer immer Lust hat, gefühlte 130 Dezibel über die Ohren basslastig im Bauch einzubunkern und via TanzBeine enthemmt zu verwerten. Daher ist es zweckfrei, in einer hehren Absicht zu erwähnen, dass den Abend vier Betreuer mit erwachsenen DownSchützlingen da waren. Wozu? Weil auch das EP ist. Jeder kommt rein, jeder ist wilkommen. Jeder wie er ist, mag und kann. Das ist keine Frage von Inklusion, Integration oder Inseltypisch, in oder out haben da auch nix in der Suppe zu krümeln. Ist nicht mal 'ne Frage des Geldes. Legst bei Ingrid, die das mit dem Eintritt seit Jahren regelt, jeden beim Namen kennt und sich irre freut, wenn man nach ner Ewigkeit mal wieder da ist, die 3 oder 4 €urönchen hin, kriegst deinen Stempel und gut ist's. Türsteher? Rausschmeißer? Watt is datt denn?

Egal. Blieb bei der Idee eines überfälligen BlogEintrags. Schade eigentlich! Der wäre lustig geworden. Vielleicht. 

Ich Dummerchen hatte außer dem üblichen 12StundenAfterDanceFloorTinnitus Muskelkater im Sinn. Der blieb aus.  Aber irgendwas is ja immer. Nach 5 oder 8 Jahren ohne irgendwelche Rüsselpestilenz oder ähnlich unschöne Befindlichkeiten erlegte mich 24 Stunden später eine der heftigsten Erkältungen ever, +Fieber, +Husten (quasi fastbeinahe tödlich erkrankt). War eine rotzmiese (Männer)Erkältung und währte eine Woche lang. Noch heut beehren mich die Spätfolgen mit ihrer Gegenwart.

Aber gottverdammt, die 4,5 Stunden Tanzen waren es sowas von wert!

Nun ist Oktober, die Zeit der fallenden Blätter, wo uns Insulaner Stürme besuchen. Zeit für den schmackhaften David Rio Chai latte, den besten ever (imho), Kerzenlicht, Strickmuster & Kuschelwolle, Filmnächte und vor allem, Zeit, NICHT in Panik zu verfallen. Das gelingt mir gerade nicht wirklich gut. Jedes Wochendende ist terminiert, getaktet, fast meine ich, der Monat ist schon rum, für den November sieht es ähnlich aus und mir ist, als sei übermorgen Weihnachten. Und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie mir das gefällt.

Bin ich bereit der Gemütlichkeit Raum zu schaffen? Deko & Co aus dem 11Monatsschlaf vom Boden zu wecken, von der ich meine, sie erst vor ein paar Wochen entdekoriert und auf den Boden geräumt zu haben?

Bin ich bereit langen, dunklen Abenden gefasst gegenüber zu treten, mich auf Rilke und Hesse, Gordon Lightfoot, Genesis und Jim Croce zu freuen?

Bin ich bereit für Schals und Tücher, schwere Wintermäntel, gefütterte Schuhe und wollene Baskenmützen? Handschuhe??

Bin ich bereit für Plätzchen & Co, für Ideen & Inspiration zum 24.12., wo wir uns alle wiedersehen, zusammen sind, das Jetzt erleben und mach opulentem Mahl, Geschenkedramaturgie in weißt-du-noch-als FamilienAnekdoten abdriften?

Ich weiß nicht, ob ich bereit bin, darüber nachzudenken. Weil ich nicht weiß, wo dieses Jahr geblieben ist. Es ist mir durch die Finger geflutscht, einfach so ...

Egal. Heute denke ich jedenfalls nicht an morgen, definitiv nicht.

Heute erlaube ich der Melancholie mich zu begleiten, ein letztes Mal noch mit meinen SommerSchuhen, bevor die üblichen, robusten 

LederTrittchen mit schwerer Sohle HerbstWinterWege beschreiten. Heute nehme ich Abschied.

 

Und nehme mir Lotta als Wegweiser und Vorbild. Deren Tage und Nächte sind mehr oder weniger identisch. Egal welcher Tag, welche Jahreszeit, keiner beginnt vor 11:30. Nach ihrem FrühstücksBrunch und unserem Mittagsessen legt sie sich wieder hin. Bettchen hat sie genug, so ist es nicht. Wenigstens sie weiß die zu schätzen! Ist es zu heiß, kühlt sie sich auf den Fliesen ab. Zwischen 14:30 und 15:30 klingelt ihre innere Uhr, besteht auf die HundeRunde. Wohin die führt, ist ihr gleich, sie mag Wald wie Strand, auf vier Pfoten oder per Rad. Bisweilen spielt sie unterwegs, gelegentlich nimmt sie andre Hunde zur Kenntnis. Manchmal auch andre Menschen.

Ich glaube, Möpse glauben, sie seien Menschen. Irgendwie zumindest. Mit einem wesentlich gechillteren Alltag. Aufs Wesentliche reduziert. Lange Schlafen, gutes Essen, eine homöopathische Dosis Draussen&Andre.

Lotta macht alles mit. Unser Leben, Besuche und Besucher, actionreiche Tage und die, die unbemerkt verstreichen, als habe es sie nicht gegeben. Sie ist einfach da. Bei mir, bei uns. Und tänzelt durchs Leben ... ganz bei sich. In ihrer Mitte.

Gute Idee, ich nutze diesen Monat, um bei mir zu sein. In meiner Mitte. Wo auch immer die ist ...Bestenfalls in Worten.

 

Und wer weiß, vielleicht hole ich die SommerLieblinge glatt nochmal aus dem Schuhkarton. Zum EP-Besuch, weil ich jetzt, wenn ich darüber nachdenke, finde, dass Leichtigkeit keine Frage der Jahreszeit ist.

Leichtigkeit ist, wenn man durchs Leben tanzt. Ob im EP oder sonstwo. Überall und generell. Zu der Musik, die man in sich hört. Hauptsache Tanzen. Hauptsache innige Hingabe. Gekleidet und gewandet mit der 2teiligen besten aller Attitüden:

IstMirRotzPupEgalWieEsAussiehtWirktOderIst & UndRotzPupEgalerWasIhrDenkt,WasIchTunOderLassenSollteMüssteKönnte ... Is doch so, sagt Holly und wünscht 1 gute Nacht.

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