Irgendwas is ja immer ... und Luxus ist für jeden was anderes.

Anderthalb Wochen stand meine Welt Kopf. Aber anders als gewohnt. Jetzt, da meine WebPräsenz ansehnlich daherkommt (für mich), mehr Bettchen auch später präsentiert werden können, möglicherweise sogar ein RSSFeed diese Seite ergänzt, ist es an der Zeit. Back to basics, lass mal echtes Leben leben. Das ist erfrischend, bisweilen und liegt nahe. 

 

Gleich umme Ecke von dir bist du mitten drin im EpiZentrum vom Gewusel. Das gehört dazu, wenn du wo wohnst, wo andre Urlaub machen. Freitag morgen ist's, die Stadt ist voll. Nicht ungewöhnlich oder unerwartet. Schließlich ist Sommer, alle Welt urlaubt und die grüne Insel  ist beliebt. Meer, Strand, weiter Horizont, Ruhe und watt noch mehr verheißen Erholung und ggf. diese begehrte Entschleunigung. Rein theoretisch.

 

Praktisch ist es nicht damit getan, hier anzulanden. So leicht ist das mit dem Luxus wohl doch nicht. Jedenfalls nicht in diesem Jahr, denkste dir. Vielleicht warste im letzten Jahr zu abgelenkt, dein Augenmerk lag offenkundig nicht bei spontanen SozialStudien. Ein Umzug musste geplant und organisiert werden, das dritte Buch wollte beendet und veröffentlicht werden, und ein paar andre, private Angelegenheiten lagen an.

Nun, da alles ist, wie es sein soll, nimmst du deine Umwelt wieder wahr. Die vollgepfropfte Insel. Kleinstadt in nullkommanix zum HotSpot verwandelt. Das heimelige Gefühl wie beim verkaufsoffenem Sonnabend, vor dem vierten Advent. Der auf den 23. Dezember fällt. Watt'n Menschenauflauf. Nebeneinander her oder allein, mit Kind&Kegel, KindKindKind, OmaOpaTanteNeffe, HundKatzeMaus. In allen Varianten, Familie ist echt in. Das ist doch schön. Hier hat's genug, das erkundet werden kann. Auf der Insel gibts schöne Ecken wie Sand am Meer ... Oder so.

 

Aber, es ist anders. Das irritiert mich.

Mindestens einer von zwei wischt, schiebt, toucht und scrollt auf einem Bildschirm herum. Man geht spazieren, sitzt in Cafes, am Meer und achtet auf wenig bis nichts, außer dem smarten Phone in der Hand. Man ist InTouch, nur irgendwie nicht wirklich miteinander. Oder gar mit der Welt um einen herum. Selbst wenn ich mit Lottaflitz im Wald laufe wischt, schiebt, toucht und scrollt wer um mich herum. Immerhin: Kaum jemand telefoniert. Jedoch wenn, das ist die besonders gelungeneVariante, gern dual. Ein Telefon am Ohr, das zweite in der Hand. Nicht nur 1x gesehen ... Scheinbar ist dieser Tage kein Urlauberzu Hause entbehrlich, abkömmlich oder gar hier offline. Wahrscheinlich würde man ihn in dem Fall für tot halten, oder so. Ja nee, is' klar, was andre tun, ist ihre Sache, nicht meine. Ich spring niemanden an, entreiße ihm die smarte PhoneNabelschnur zur wwWelt und verbiete ihm den Umgang mit sozialen Netzwerken. Trotzdem darf manfrau was wahrnehmen und sich fragen, was steckt dahinter.

 

Fühlt man sich nur mit der Welt verbunden, wenn man 1:1 alles fixwienix kommuniziert und teilt? Ist man nur dann tatsächlich woanders, wenn man es postet? Vielleicht ist es ganz anders, die StatusMeldungen von heute sind bloß die Ansichtskarten von gestern. Oder vielleicht ist das, was mir auffällt, längst überall ganz gewöhnliches Alltagsbild, Spiegel der Zeit ... Möglicherweise ist es für all jene, die wischen, schieben, touchen und scrollen eine Horrorvorstellung epischen Ausmaßes, ginge es im Urlaub nicht.

 

Möglicherweise beschäftigt es mich nur, weil ich zu einer Zeit geboren wurde, als man nach den (angeblich) erledigten Hausaufgaben nachmittags zum Spielen nach Draußen ging & es hieß: sei zum Abendbrot zu Hause. Weil die Ansage quasi etwas Rechtsverbindliches hatte, WAR man zum Abendbrot zu Hause. Verrückt oder? Ohne MemoryReminderWeckerAnsage des smarten Phones. War das Instinkt oder was? 

Manches behält man bei, schon einfach deshalb, weil es funktioniert.

Heute wie damals trage ich fast nie eine Uhr (außer wenn ich mit der Bahn unterwegs bin). Ich schätze einfach, wie spät es ist und liege damit meist bis auf 5 Minuten+/- richtig. Natürlich nicht, wenn sich Momente ergeben, wo Gespräche von diesem zu jenem führen, aus einer halben Stunde Strand irgendwie zweieinhalb werden, sich aus einem kurzmalreinschauen ein beschaulicher Abend ergibt. Bis jemand mittenmang fragt, wie spät es eigentlich ist, und man einander bei der Ansage halb 12 ungläubig anguckt. Oder wenn ich eben kurz was bei meiner WebPräsenz ändern, korrigieren oder ergänzen will. Im Hintergrund läuft Law&Order. Wenig später denk ich: hast du das nicht schon mal gehört? Jo, stell ich fest, vorhin. Beim ersten Durchgang. Die mitternächtliche Wiederholung bietet an, endlich mitzukriegen, um was es in der Folge ging.

Es gibt nichts Schöneres, als die Zeit zu vergessen und sich auf den Moment einzulassen. Für mich. Wie sagte Rilke: Das ist die Sehnsucht: Wohnen im Gewoge und keine Heimat haben in der Zeit ...

 

Zugegeben, seit einer Woche besitze selbst ich ein smartes Phone. Schrecke bei jedem noch unvertrauten Klingelton hoch, und sonst  ... nüscht. Ich ignoriere es irgendwie. Genau wie das TastenHandy zuvor. Gelegentlich whatssappe ich. Wenn sowohl Handy als auch Lesebrille am Start sind. Was Örtlichkeiten wie Wald & Strand oder Spaziergänge an sich ausschließt. Weil, da bin ich zwar unterwegs, und das smarte Ding könnte dabei sein, aber das nützt nix. Sonnenbebrillt mit LottaFlitz an der Seite will ich den Kopf frei kriegen, meine Aufmerksamkeit  gilt ihr oder der Welt um mich herum. Die will ich wahrnehmen, sonst nix. So klein sie ist, auf dieser Insel, inmitten der Nordsee, diesem winzigen Stecknadelpunkt der großen weiten Welt. Wer auf einer Insel lebt, auf der andre Urlaub machen, weiß den Luxus zu schätzen. Auch den Luxus, zu wissen: nicht jede Zeit muss getaktet sein. Nichts ist so erholsam, wie aus der Zeit zu fallen. Is doch so, sagt Holly & wünscht 1 gute Nacht.

 

P.S.: Dieser Tage berichtete die Zeitung über einen erdähnlichen Planeten. "Kepler-452b". Den Aufriss mit einer wie auch immer gearteten Besiedlung sollten wir uns ersparen. Nutzen wir ihn stattdessen als externe MegaGigaTerabyteDropBox, oder so. Da ist bestimmt auch Platz für die Server, die wir jetzt haben und künftig brauchen werden. Und Kraftwerke, die den nötigen KommunikationsStrom liefern.

 

Wir schicken besser mal wen dahin, der checkt das aus und liefert stante pede 1A+ gestochenscharfe Aufnahmen. Mit dem smarten Phone. Da findet sich sicher jemand, weil ... ist wie Urlaub. Einzig die Anreise ist etwas aufwändiger, 1400 Lichtjahre könnt' büschn watt dauern. Aber irgendwas is ja immer.

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